18
Dezember

Verbotene Liebe: Hinter den Kulissen – die Maske

Im Herbst 2006 entstanden für den „Verbotene Liebe Fanclub“ Interviews mit den verschiedenen Departments hinter der Kamera. So auch mit der damaligen Chef-Maskenbildnerin Anja.

Anja ist für ein sechsköpfiges Team verantwortlich, das sich sowohl um die Frisuren, als auch um die Schminke bei „Verbotene Liebe“ kümmert.
Nach ihrer Ausbildung zur Frisörin begann Anja eine Ausbildung zur Kosmetikerin, entschied sich dann aber doch, Make-Up-Artist zu werden. Hierauf folgten fünfzehn Jahre freie Arbeit bei Film, Theater und Musical. Dabei hatte Anja die Chance, so viele Menschen zu schminken, dass sie heute niemanden mehr wüsste, den sie noch gerne unbedingt schminken würde. Außerdem hat sie jede Menge Erfahrung sammeln können, denn bei jedem Engagement (Film, Theater, Musical) sieht die Maske anders aus.

Was war bisher die größte Herausforderung bei „VL“?
Sie meint, dass jeder Tag eigentlich eine Herausforderung mit sich bringt, da man wegen der Anschlüsse ganz genau auf alle Kleinigkeiten achten muss. Da die Szenen nicht in chronologischer Reihenfolge gedreht werden, müssen – genau wie beim Kostüm – auch Frisur und Make-Up mit den Szenen davor stimmig sein. Auch die Maske nutzt hierzu Polaroids als kleine Hilfe.

Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag aus?
„Den normalen Arbeitstag gibt es hier gar nicht.“ Anja geht von sich aus, da sie als Chef-Maskenbildnerin andere Aufgaben hat als ihre Kolleginnen.
Montag ist Probentag. Da die Maske nicht benötigt wird, ist Anja als einzige aus der Maske am Set. Montags finden aber auch die Produktionsbesprechungen statt. Bis dahin muss sie die Drehbücher zum neuen Block gelesen und vorbereitet haben. Anja macht dort Vorschläge für das Make-Up und die Frisuren bzw. fragt auch nach, welche Vorstellungen die Kollegen und Produzenten haben, z.B. wie die Schusswunde von Arno aussehen sollte.
Dienstags sind immer alle aus der Maske da, weil dienstags die meisten Innendrehs stattfinden und es dann zum Teil hektisch werden kann.
Mittwochs, donnerstags und freitags sind oft Außendrehs; deshalb ist da die Maske nicht voll besetzt. Anja ist aber im Studio beim Dreh verfügbar. Eine Maskenbildnerin ist immer beim Außendreh dabei, um vor Ort die Frisur zurecht zu rücken oder das Make-Up aufzufrischen.
Es gibt verschiedene Phasen an einem Tag. Die Arbeit beginnt früh morgens. Mal kommen alle Darsteller auf ein mal – und dann gibt es Momente, in denen niemand in die Maske muss. Diese Phasen nutzen Anja und ihre Kolleginnen, um mit den Darstellern neue Frisuren oder neue Farbtöne fürs Make-Up auszuprobieren.

Wie lange brauchen die Darsteller in der Maske?
Da die Maske in Schminken und Frisieren aufgeteilt wird, brauchen die Darsteller unterschiedlich lang. Für das Schminken an sich brauchen Anja und ihre Kolleginnen etwa eine halbe Stunde. Bei den Haaren sieht das anders aus. Der zeitliche Aufwand ist hier unterschiedlich – es kommt darauf an, ob man nur einen Pferdeschwanz macht oder ob man die Haare noch waschen muss und aufwendige Frisuren steckt.

Wie werden die Haare der Darsteller gepflegt?
Anja legt viel Wert darauf, dass die Haare schon bei der Haarwäsche gepflegt werden. Deshalb haben die Darsteller von ihr spezielle Shampoos bekommen, mit denen die Haare gepflegt werden. Die Produkte sind aufeinander abgestimmt, so dass die Haare gesund sind und bleiben. Denn wenn die Haare schon vom falschen Shampoo angegriffen sind, bringen andere Pflegeprodukte nichts mehr.
Manche Produkte müssen ins nasse Haar eingearbeitet werden. Dies machen die Darsteller in der Regel zuhause. Das Herrichten der Frisur übernimmt dann die Maske.

Wie wichtig ist das Make-Up für die Rolle?
„Sehr wichtig!“ Bei „Verbotene Liebe“ kommt es immer darauf an, zu welcher sozialen Schicht die Rolle gehört. Eine adlige Rolle bekommt ein anderes, glamouröseres Make-Up als eine normalbürgerliche Rolle. Das Make-Up unterstreicht natürlich die charakterlichen Züge und muss auf die Rolle und auf die Situation abgestimmt sein. Anja nennt als Beispiel „Jana Brandner“, die als Krankenschwester nicht das selbe Make-Up trägt, wie wenn sie ins „Blue Ice“ geht. Die Rollen müssen authentisch wirken und dürfen nicht „overstyled“ sein.

Inwiefern verändert sich das Make-Up, wenn sich die Rolle verändert?
Die Maske muss wissen, inwiefern sich die Rolle verändert. Diese Veränderungen dürfen nicht zu schnell und zu auffällig sein. Also nicht so, dass der Zuschauer sagt: „Huch, der sah ja gestern noch ganz anders aus.“

Hängen Maske und Kostüm eng miteinander zusammen?
Daniela vom Kostüm und Anja sprechen sich ab, was die Rollen für ein Gesamtoutfit in den Szenen bekommen. Denn mit der Kleidung verändert sich auch das Make-Up. Das Verhältnis zwischen Anja und Daniela ist sehr gut. Anja schätzt die Kleidungsauswahl von Daniela sehr.

Wie viel Prozent der Schminke geht durch das Licht und die Kamera verloren?
Das ist unterschiedlich. Die Darsteller bekommen immer gleich viel Make-Up und je nachdem wie dunkel oder hell eine Kulisse ist, desto dunkler oder heller wirkt das Gesicht. Das ist wie im Alltag auch. „Eigentlich sieht man keine so großen Unterschiede“, erklärt Anja.

Ist es schwer, eine Wunde zu schminken?
Zunächst erkundigt sich Anja, mit welcher Waffe die Wunde verursacht werden soll – so beginnt ihre eigentliche Arbeit. Wunden sehen immer anders aus, je nachdem, ob man nah dran steht oder weiter weg, ob es eine kleine Waffe ist oder eine größere. Dafür recherchiert sie lang und ausführlich, denn es ist ihr wichtig, dass es echt wirkt. „Arnos“ Schusswunde war ein Sonderfall, da man seine Wunde nie gesehen hat. Anja hat Filmblut in eine kleine Folie abgefüllt und diese wurde dann unter dem Hemd, an der Stelle wo es „bluten“ sollte, platziert. Sobald der Schuss gefallen ist, drückt man fest darauf und schon läuft das „Blut“ heraus.
Da im Drehbuch auch vorgegeben wurde, dass „Arno“ viel Blut verloren hat, musste die Maske auch Filmblut auf dem Boden verteilen. Auch davon mussten Polaroids gemacht werden, da die Szenen auch nicht alle an einem Tag gedreht wurden.

An wen muss sich der Darsteller wenden, wenn er eine Veränderung haben möchte?
Der erste Schritt ist der Gang zu Anja, da dann erstmal ausgetauscht wird, was möglich ist und was sich der Darsteller wünscht. Danach spricht sich Anja mit den Producern ab, ob eine Veränderung zur Rolle passt und wenn ja, ob die gewünschten Veränderungen machbar sind.
Da Anja auch das Make-Up macht, spricht sie sich gern mit den Darstellern ab, wie sie ihre Rolle sehen und welche Farben die Darstellerinnen gern hätten. Man muss natürlich auch schauen, dass die Farben zueinander passen, was aber meistens der Fall ist. Dadurch dass Anja das Make-Up mit den Schauspielern abspricht, haben diese auch die Möglichkeit, zu sagen, was sie mögen und was nicht. Denn ihr ist es wichtig, dass die Darsteller sich in ihrer Haut wohl fühlen und so auch vor die Kamera treten.

Gibt es spezielle Schminkprodukte für Allergiker oder Leute mit empfindlicher Haut?
Wichtig ist natürlich, dass Anja weiß, gegen was die Darsteller allergisch sind. Zu all ihren Produkten hat Anja eine Liste mit Inhaltsstoffen. „Camouflage“ z.B. kann man auf offene Wunden auftragen, ohne dass sich die Wunde weiter entzündet.

Vom Pressebüro haben wir zusätzlich noch erfahren, dass die Darsteller nicht zu lange in die Sonne dürfen. Da jedes Jahr im Sommer zwei Wochen Produktionspause ist, hätten viele Darsteller die Chance, in den Urlaub zu fahren und in der Sonne zu brutzeln. Aber wegen der Anschlüsse dürfen die Darsteller nicht zu braun werden und müssen auf ihre Hautfarbe achten. Es wäre fatal, wenn ein Darsteller bei manchen Szenen in einer Folge heller wäre als in den anderen.

Gepostet von mts

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