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Dezember

Der neue Vorabend im Ersten: “Grey’s Anatomy“ und “Revenge“

In den letzten Jahren hieß es immer wieder, dass das deutsche Fernsehen ziemlich einfallslos sei. Ist man mittlerweile doch sehr abhängig vom amerikanischen Markt und produziert wenn allenfalls Krimis in scheinbar tausend Variationen. Ich wage dem heute zu widersprechen, denn was man sich nun für den Vorabend im Ersten einfallen ließ, zeugt wirklich von wahren Können. Nachdem die Schmunzel-Krimis reihenweise floppten, setzt man nun verstärkt auf seichte Drama-Kost. – Ein Kommentar!

Ab dem 22. Januar 2015 läuft mit „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“ der Ableger vom Quotengaranten „In aller Freundschaft“. Niklas Ahrend (Roy Peter Link) verlässt in diesem die Sachsenklinik in Leipzig und tritt eine neue Stelle in Erfurt an. Ihm unterstellt sind nun fünf Assistenzärzte im neuen Klinikalltag am Johannes-Thal-Klinikum. Das Erste ist besonders mutig und bestellte sogleich 42 Folgen. Schade nur, dass wenn man sich etwas genauer mit der Serie beschäftigt und jede Rollenbiografie einzeln durchgeht, man sich schnell an eine ganz andere Serie erinnert fühlt – die US-Serie „Grey’s Anatomy“ von Shonda Rhimes.

Unser Niklas Ahrend schlüpft hierbei in die deutsche Version von Derek Shephard, während Assistenzärztin Julia Berger (Mirka Pigulla) Ähnlichkeiten mit Meredith Grey aufweist und auch gleich als potentielle Partnerin für Niklas vorgestellt wird. Mit Elias Bär (Stefan Ruppe) und Ben Ahlbeck (Philipp Danne) sind auch die angepassten Versionen von George O’Malley und Alex Karev nicht weit entfernt. Theresa Koshka (Katharina Nesytowa) und Annika Rösler (Paula Schramm) machen eine eigentliche Adaption mit Cristina Yang und Izzie Stevens perfekt. „Grey’s Anatomy“ im Ersten – wer hätte das gedacht?

Natürlich darf man es sich nicht zu einfach machen und muss bemerken, dass hinter diesem Format natürlich kreative Leute stecken, von denen der eine oder andere sicher nur darauf wartet, das deutsche Fernsehen mit einer eigenen Geschichte zu revolutionieren. Doch mit dem Zusatztitel „Die jungen Ärzte“ macht man scheinbar nicht mal ein Geheimnis aus dem Vorbild. Die ersten Staffeln von „Grey’s Anatomy“ liefen hierzulande ebenfalls mit diesem Zusatztitel, bis nach Steigerung des Bekanntheitsgrads weitestgehend darauf verzichtet wurde.

© ARD / ABC / ARD/Heiko Richard / ABC

Nach „Grey’s Anatomy“ am Donnerstag folgt ab Freitag, den 27. Februar 2015, „Revenge“. Da sich die US-Serie aber bereits in der vierten Staffel befindet und in Deutschland beim Sender VOX beheimatet ist, musste für die Version im Ersten nun die Glamour-Soap „Verbotene Liebe“ herhalten.

Nachdem man die Seifenoper nach über neunzehn Jahren im Sommer erst absetzte, kam man auf die Idee, VL von einer Daily in eine Weekly-Soap zu verwandeln. Längere Produktionszeit und großartige Bilder inklusive, versteht sich. So zumindest wirbt Das Erste in einer Pressemitteilung mit der Neuerung. Für die vermeintliche Rettung musste die Produktionsfirma UFA Serial Drama ganz schnell eine Idee finden, um die „Chance“ der ARD wahrzunehmen. Unter dem Arbeitstitel „Vergeltung“, welcher kurze Zeit auch für den neuen Serientitel gehalten wurde, bediente man sich nun der US-Soap „Revenge“ von Mike Kelley.

Mit dem Auftauchen der neuen Protagonistin Mila von Draskow (Stefanie Rösner) schlüpfen die Lahnsteins scheinbar in die Rolle der Graysons, während Mila nichts weiter als eine deutsche Version von Emily Thorne zu sein scheint. Natürlich dürfen auch Emilys bester Freund und Computerexperte Nolan Ross, in Deutschland Frederic Schwarz (gespielt von Nic Romm), und die potentielle Liebe Jack Porter, in Deutschland Martin Voigt (gespielt von Bastian Semm), nicht fehlen. Daniel Axt, der als Jannik Anders großes Interesse an Kim von Lahnstein zeigt, dürfte dabei das deutsche Pendant zu Declan Porter mimen, der im Original mit Charlotte Grayson flirtet.

Zufälle soll es geben, aber dass die ARD ihren Vorabend nun mit zwei Serien bestückt, die doch von den Fans sehr schnell mit den bekannten US-Formaten assoziiert werden können, halte ich persönlich für keinen. Vielleicht belehrt man mich in den kommenden Wochen und Monaten eines Besseren.

Gepostet von deg

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