{"id":28068,"date":"2013-09-30T20:00:57","date_gmt":"2013-09-30T18:00:57","guid":{"rendered":"http:\/\/soaplexikon.de\/cms\/?p=28068"},"modified":"2014-04-20T12:08:22","modified_gmt":"2014-04-20T10:08:22","slug":"alles-was-zahlt-unter-uns-seid-laut-geht-auf-die-strase-und-habt-keine-angst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/soaplexikon.de\/cms\/alles-was-zahlt-unter-uns-seid-laut-geht-auf-die-strase-und-habt-keine-angst\/","title":{"rendered":"Alles was z\u00e4hlt \/ Unter Uns: &#8222;Seid laut, geht auf die Stra\u00dfe und habt keine Angst&#8220;"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Alles was z\u00e4hlt\" src=\"http:\/\/www.soaplexikon.de\/image\/awz.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"100\" \/><\/td>\n<td>Sowohl &#8222;Alles was z\u00e4hlt&#8220; (AWZ) als auch &#8222;Unter uns&#8220; (UU) schm\u00fccken sich derzeit mit spektakul\u00e4ren Geschichten rund um Homosexualit\u00e4t. Bei AWZ spielt Carlo Degen den schwulen Fu\u00dfballer Joscha Degen, der seine Umwelt aus Angst glauben l\u00e4sst, er steht auf Frauen. Bei UU spielt Eric Stehfest den jungen homosexuellen Sch\u00fcler Yannick, der sich in seinen Mitsch\u00fcler Ringo verliebt und diesen damit in einen gro\u00dfen emotionalen Konflikt st\u00fcrzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><!--more-->Wie geht Joscha in der Serie AWZ mit dem Thema Homosexualit\u00e4t um?<br \/>\nCarlo Degen: Auf Joscha lastet ein gro\u00dfer Druck, da er seine Homosexualit\u00e4t unterdr\u00fcckt. Er hatte eine verdeckte Beziehung mit einem Mann, hat diese jedoch zugunsten seiner Fu\u00dfballkarriere beendet. Jetzt versucht er, seine Gef\u00fchle vollkommen zu verdr\u00e4ngen und vollkommen heterosexuell zu sein. Er hat eine Freundin nach der anderen und ger\u00e4t von einem Fettn\u00e4pfchen ins n\u00e4chste bei dem Versuch, da irgendwie drum herum zu kommen. Sobald es mit einer Frau ernster wird, schie\u00dft er sie ab und geht zur n\u00e4chsten \u00fcber. Das Ganze geht irgendwann sogar so weit, dass er eine Scheinehe eingeht. Er tut alles M\u00f6gliche, damit es nicht ans Licht kommt.<\/p>\n<p>&#8230; und wie ist es f\u00fcr &#8222;Yannick&#8220; bei &#8222;Unter uns&#8220;?<br \/>\nEric Stehfest: Yannick ist eigentlich ein Lichtpunkt in der Schillerallee. Er versteht sich mit allen super gut, f\u00e4llt nicht gro\u00df auf und macht seine Schule ordentlich. Man merkt, dass er ein junger Mann ist, der zu dem steht, was er ist und macht. Er hat nur ein Problem, und zwar, dass er sich in den falschen Typen verliebt.<\/p>\n<p>Wie ist es f\u00fcr dich als Hetero-Mann, in der Serie die Rolle eines Homosexuellen zu spielen?<br \/>\nCarlo: Es ist eine ganz spezielle Herausforderung. Durch die besondere Thematik meiner Rolle, die mit Fu\u00dfball und Homosexualit\u00e4t gleicherma\u00dfen zu tun hat, habe ich sehr viel zu spielen und das ist super!<br \/>\nEric: Seit meiner Kindheit habe ich immer sehr gerne verschiedene Rollen gespielt. Ich habe irgendwelche Charaktere angenommen, die mein privates Leben gar nicht beeinflussen und ganz weit weg von meinem eigentlichen &#8222;Ich&#8220; sind. Darum wollte ich Schauspieler werden. So spiele ich jetzt die Rolle des Yannick und kann mich da eigentlich ganz gut einf\u00fchlen. Ich w\u00fcrde auch gar nicht in den Vordergrund stellen, dass Yannick schwul ist, sondern er ist jemand, der liebt und Gef\u00fchle vermittelt.<\/p>\n<p>Wie hast du dich auf diese Rolle bzw. auf die Szenen vorbereitet?<br \/>\nCarlo: Ich habe im Vorfeld viel \u00fcber die Thematik gelesen und mich mit meinen homosexuellen Bekannten ausgetauscht. Und wir haben einen Coach, der mit uns die Szenen durchgeht und bespricht, wie man am besten da herangeht. F\u00fcr mich war es zun\u00e4chst eine gro\u00dfe Umstellung \u2026 Ein Mann riecht ganz anders als eine Frau und f\u00fchlt sich anders an. Da muss man schon \u00fcber einen bestimmten Punkt gehen und es zulassen, sich fallen lassen.<br \/>\nEric: Da kann ich gut ankn\u00fcpfen. Der Unterschied zwischen meiner und Carlos Rolle Joscha ist, dass Joscha im Konflikt zur Homosexualit\u00e4t steht und meine Rolle Yannick sein Coming-Out schon mit 13 Jahren hatte. Deshalb war bei der Vorbereitung die Fallh\u00f6he f\u00fcr mich nicht so hoch wie f\u00fcr ihn. F\u00fcr mich war klar, dass ich mich einfach verlieben muss. Schwer wurde es erst, als ich mich dem Spielpartner hingegeben und losgelassen habe. Da hat mich dann das Umfeld am meisten gest\u00f6rt: das Team, die vielen Kameras und der Zeitdruck. Beim Theater wird einem da mehr Zeit gelassen, um sich einzuf\u00fchlen. Am Set einer t\u00e4glichen Serie ist das nat\u00fcrlich schwierig, da du innerhalb weniger Minuten sofort funktionieren musst. Das war f\u00fcr mich der gr\u00f6\u00dfte Konflikt.<\/p>\n<p>Wie war das, als du zum ersten Mal einen Mann gek\u00fcsst hast?<br \/>\nCarlo: Ich war es gewohnt, eine Frau zu k\u00fcssen. Einen Mann zu k\u00fcssen, war da etwas ganz Neues und Ungewohntes. Ich hatte jetzt aber schon recht viele solcher Szenen und mit der Zeit bin ich sicherer und routinierter geworden.<br \/>\nEric: Bei einem M\u00e4nnerkuss geht es sehr viel um Vertrauen. Es ist wie eine Arbeitsvereinbarung zwischen mir und meinem Spielpartner. Wir wissen beide, dass es nur eine Rolle ist und das macht es einfacher. Wenn ich eine Frau k\u00fcsse, ist das etwas Gewohntes und man braucht dieses gegenseitige Vertrauen nicht so sehr, als wenn man einen Mann k\u00fcsst.<\/p>\n<p>Wie waren die Reaktionen von deiner Freundin, von Freunden und der Familie auf deine Rolle?<br \/>\nCarlo: Klar kamen da ein paar bl\u00f6de Kommentare, aber die waren alle nur als Gag gemeint. Im Endeffekt sch\u00e4tzen meine Freunde, was ich mache und haben sehr gro\u00dfen Respekt davor. Meine Freundin freut sich nat\u00fcrlich, dass ich eher einen Mann k\u00fcssen muss statt einer Frau.<br \/>\nEric: F\u00fcr meine Freundin ist einfach wichtig, dass ich gut schauspielere und es realistisch r\u00fcberkommt. Ich habe sie auch mal zum Set mitgenommen, damit sie sehen konnte, was wir da machen. Meine Familie ist in erster Linie stolz, aber dadurch, dass sie noch gar nicht viel gesehen haben, wei\u00df ich nicht, wie sie reagieren werden, wenn sie mich dann tats\u00e4chlich mit einem Mann im Fernsehen sehen.<\/p>\n<p>Warum ist es f\u00fcr Joscha so schwer, sich zu outen?<br \/>\nCarlo: Die Thematik &#8222;Schwule Fu\u00dfballer&#8220; ist seit einiger Zeit ziemlich aktuell. Ich kenne aber kaum Fu\u00dfballer, die sich outen. Und falls sie dies tun, wird es ihnen sehr schwer gemacht. Der Fu\u00dfballsport scheint immer noch auf das Bild der &#8222;harten Kerle&#8220; fixiert zu sein, und da passt Homosexualit\u00e4t auf den ersten Blick nicht hinein. Auf meiner Rolle Joscha lastet ein enormer Druck. Sein Ex-Freund hat sich geoutet, es danach sehr schwer gehabt und sich daraufhin umgebracht. Joscha ist die Karriere als Fu\u00dfballer so wichtig, dass er sein eigentliches &#8222;Ich&#8220; total verdr\u00e4ngt und somit quasi in zwei Welten lebt.<\/p>\n<p>Warum ist Homosexualit\u00e4t beim Fu\u00dfball immer noch so ein Tabu-Thema? Warum ist es so schwer, sich zu outen und welche Folgen kann das haben?<br \/>\nCarlo: Das Schlimmste ist, glaube ich, das Mobbing! Da spielt auch die Psyche eine gro\u00dfe Rolle. Wenn du die ganze Zeit gemobbt wirst und auf Unverst\u00e4ndnis triffst, spielst du schlecht, f\u00fchlst dich unwohl und w\u00fcrdest dich am liebsten in ein Loch vergraben. So gibt es sicher einige schwule Fu\u00dfballer, die sich deswegen nicht outen. Ich habe auch das Gef\u00fchl, dass Managements da viel mitspielen und sogenannte &#8222;Schein-Freundinnen&#8220; vermitteln. Aber ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.<br \/>\nEric: Jeder kennt die Situation, dass man sich einer Person \u00f6ffnet, ihr etwas Pers\u00f6nliches anvertraut und das dann ausgenutzt wird, um sich selber in ein anderes Licht zu r\u00fccken. Dadurch wird man verletzt. Wenn man sich jetzt vorstellt, dass man sich vor Millionen von Menschen \u00f6ffnet, ist das Risiko der Verletzung ungleich gr\u00f6\u00dfer als nur im engen Freundes- oder Familienkreis. Da z\u00e4hlt in erste Linie der Selbstschutz. Ich glaube, das kann echt weit gehen bei so einer Masse.<br \/>\nCarlo: Ich finde interessant, dass es gerade beim Fu\u00dfball so ein gro\u00dfes Thema ist, denn in der Schauspielerei, in der Politik und vielen anderen Bereichen sind unglaublich viele Leute geoutet.<\/p>\n<p>Sowohl Joscha als auch Yannick haben in der Geschichte eine Alibi-Freundin. Was h\u00e4lst du davon?<br \/>\nEric: Ich w\u00fcrde sagen, das ist wieder eine gewisse Vereinbarung \u2026 Allerdings finde ich es nicht in Ordnung, wenn man sich eine Freundin sucht, der man die Liebe nur vorspielt, um seine eigene Homosexualit\u00e4t zu verdr\u00e4ngen. Man sucht sich ja f\u00fcr jede Sache Mittel und Zweck, um da rauszukommen. Und so er\u00f6ffnen sich pl\u00f6tzlich neue Bereiche, wie zum Beispiel diese Vermittlungs-Agenturen.<br \/>\nCarlo: Bei Joscha und seiner zuk\u00fcnftigen Ehefrau handelt es sich um eine reine Absprache. Das ist zwar jedem selbst \u00fcberlassen, aber ich finde es tragisch und schade. Dadurch muss man so vieles wegstecken und unterdr\u00fccken \u2026 Man muss sich entscheiden. Entweder f\u00fcr die Karriere oder f\u00fcr das &#8222;Ich-Sein&#8220;. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn beides zusammen funktionieren w\u00fcrde, aber das ist ja im Moment leider noch nicht so.<br \/>\nEric: Interessanterweise birgt dieses Thema weltweit immer noch eine gro\u00dfe Aggressivit\u00e4t. In \u00fcber 70 L\u00e4ndern werden Homosexuelle verfolgt. Dadurch entsteht viel Hass und Leid. Da muss noch mehr getan werden, die Leute m\u00fcssen noch mehr aufgekl\u00e4rt werden, dass man wegkommt von der Angst, dass man sich etwas traut. Es kann nicht sein, dass sich die Masse immer wieder gegen Minderheiten stellt.<\/p>\n<p>Was h\u00e4lst du von den Gesetzen gegen Homosexualit\u00e4t in Russland?<br \/>\nEric: Was soll man davon schon von halten!? Das ist nat\u00fcrlich das Allerletzte! Ich habe letztens erst wieder eine Pressekonferenz mit Putin gesehen und mir gedacht: Was redet dieser Mensch da!? Ich sehe einen homophoben Menschen mit Angst in den Augen. Er spricht aus Angst und sagt, dass er die Kinder dieses Landes vor der Homosexualit\u00e4t sch\u00fctzen will &#8230; vor diesem nicht-famili\u00e4ren Bild. Die eigentlichen Opfer sind dann die Kinder, denen fr\u00fchzeitig falsche Werte vermittelt werden. Das geht doch nicht!<\/p>\n<p>Wer sind die Opfer der russischen Politik und warum?<br \/>\nEric: In erster Linie nat\u00fcrlich die Homosexuellen, aber auch die Kinder und Jugendlichen, die von Grund auf nicht das Gef\u00fchl von individueller Liebe, sondern von Angst vermittelt bekommen &#8211; Angst und Verschlossenheit. Dadurch entsteht ein vollkommen falsches Weltbild.<br \/>\nCarlo: Erziehung spielt da eine ganz gro\u00dfe Rolle. Kinder nehmen das ganz schnell auf, wenn sie etwas vorgelebt bekommen und dann ist das, was die Eltern sagen erst mal &#8222;richtig&#8220;! Deshalb haben wahrscheinlich viele Heranwachsende in Russland zun\u00e4chst eine Anti- Haltung gegen\u00fcber Homosexualit\u00e4t.<br \/>\nEric: Ich finde es extrem krass, dass gerade Russland jetzt so hervorgehoben wird bez\u00fcglich der Homosexualit\u00e4t. Nat\u00fcrlich, weil das Gesetz jetzt erlassen wurde, aber gucken wir uns doch mal andere L\u00e4nder an. Im Iran und Saudi-Arabien werden homosexuelle Menschen \u00f6ffentlich hingerichtet &#8211; und das schon eine ganze Weile. Dazu hat niemand etwas gesagt! Das wusste keiner! Auf einmal liegt die Aufmerksamkeit bei Russland und das Thema wird pr\u00e4sent. Warum ist das aber nicht schon fr\u00fcher passiert? Wir stehen anscheinend nur auf, wenn vor unseren Augen jemand erschossen wird oder ein Haus einst\u00fcrzt. Warum k\u00f6nnen wir nicht handeln, wenn wir aus der Welt etwas mitbekommen?!<br \/>\nCarlo: Man bekommt auch h\u00e4ufig nur das mit, was die Nachrichten und die Presse einem darbieten.<\/p>\n<p>Warum ist es dir wichtig, gegen diese Anti-Haltung gegen\u00fcber Homosexuellen ein Zeichen zu setzen?<br \/>\nEric: Die Liebe und das Bed\u00fcrfnis nach einem Menschen so kaputtzumachen, ist einfach schrecklich! Das ist doch dann kein richtiges Leben.<br \/>\nCarlo: Kein Mensch verdient es, aufgrund seiner Sexualit\u00e4t oder anderem, wie ein Verbrecher behandelt zu werden. Jeder Mensch sollte respektvoll behandelt werden.<br \/>\nEric: Es nervt mich, dass gerade durch diese ganze Russland-Geschichte aus einer eigentlich menschlichen Frage eine politische wurde. Es geht gar nicht mehr darum, sich mit der Gesellschaft und den einzelnen Problemen auseinanderzusetzen, sondern dar\u00fcber steht diese Macht der Putin-Politik. Man versucht gar nicht mehr, etwas zu kl\u00e4ren &#8211; das ist das Absurde.<\/p>\n<p>Wie willst du f\u00fcr Akzeptanz und Toleranz k\u00e4mpfen?<br \/>\nEric: Indem ich Schauspieler bin und das darstelle! Und zwar so authentisch, wie m\u00f6glich. Ich m\u00f6chte einfach die Leute erreichen mit dem, was ich tue.<br \/>\nCarlo: Ja, wir k\u00f6nnen den Leuten zumindest einen kleinen, beispielhaften Ausschnitt zeigen. Ihnen vor Augen f\u00fchren, wie es manchen Schwulen geht und sie zum Nachdenken anregen.<br \/>\nEric: Wir wollen auch zeigen, dass man sich nicht in ein sechsk\u00f6pfiges Monster verwandelt, wenn man einen Mann k\u00fcsst, sondern, dass das etwas Normales ist. Es gibt ja die absurdesten Gedanken, die sich in den K\u00f6pfen der Leute abspielen.<\/p>\n<p>Was ist euer Appell an die Menschen drau\u00dfen?<br \/>\nCarlo und Eric: Leute, geht raus auf die Stra\u00dfe. Seid laut, macht auf euch aufmerksam und habt keine Angst! Wenn man sich das traut, gibt es nicht mehr viel, was einem noch entgegenstehen k\u00f6nnte. Man sollte nicht so viel Angst haben, sondern einfach &#8222;machen&#8220; und dazu stehen!<\/p>\n<p>\u00a9 RTL Kommunikation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sowohl &#8222;Alles was z\u00e4hlt&#8220; (AWZ) als auch &#8222;Unter uns&#8220; (UU) schm\u00fccken sich derzeit mit spektakul\u00e4ren Geschichten rund um Homosexualit\u00e4t. Bei AWZ spielt Carlo Degen den schwulen Fu\u00dfballer Joscha Degen, der seine Umwelt aus Angst glauben l\u00e4sst, er steht auf Frauen. 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