27
September

Interview mit Simon Böer (2)

Am 4. Oktober 2014 kehrt die Familienserie „Herzensbrecher – Vater mit vier Söhnen“ mit der zweiten Staffel ins ZDF zurück. Familienoberhaupt „Andreas Tabarius“ wird von Simon Böer gespielt, der vielen Zuschauern noch als „Maximilian Castellhoff“ aus „Hanna – Folge deinem Herzen“ bekannt sein dürfte. Die Serie wird samstags ab 19:25 Uhr ausgestrahlt.

Spätestens nach den Dreharbeiten für zwei „Herzensbrecher“-Staffeln haben Sie einen Eindruck von einem Leben als Geistlicher. Könnten Sie sich mittlerweile vorstellen, als Pfarrer zu arbeiten?

Ich bin ja Schauspieler und zwar mit Leib und Seele, daher stellt sich die Frage gar nicht! (lacht). Der Beruf des Pfarrers an sich ist sicher komplexer, als das was ich bisher spielen durfte, und nach diesem kurzen Einblick habe ich Respekt vor denen, die sich mit ihrer Institution auseinandersetzen und versuchen, in dieser Position etwas zu verändern.

Was schätzen Sie an der Institution Kirche, was nicht?

Die Kirche, ganz gleich welcher Konfession, verkörpert für mich nicht den Glauben an sich. Ich glaube an Gott und daran, dass es etwas gibt, was unser aller Leben bestimmt, aber ich möchte mir nicht vorschreiben lassen, wie dieser Glaube auszusehen hat oder wie ich die Botschaft von Jesus von Nazareth zu verstehen habe. Trotzdem weiß ich auch um die guten Seiten der Kirche und bin mir bewusst, dass sie vielen Menschen ein Halt ist.

Haben Sie schon einmal den Glauben in Gott verloren, sich quasi „von allen guten Göttern verlassen“ gefühlt?

Solche Momente hat jeder sicher mal, aber ich besinne mich immer wieder schnell darauf, dass alles einen Sinn hat, auch wenn man ihn nicht immer gleich erkennt (lacht).

Die Dreharbeiten haben Sie wieder in Ihre Heimat, das Rheinland, geführt. Haben Sie während der Produktion Berührung mit Orten gehabt, die in Ihrer Vergangenheit eine Rolle spielten?

Der ganze Köln-Bonner-Raum ist eine einzige Kindheits- und Jugenderinnerung. Somit bleibt es nicht aus, an Orten zu drehen, zu denen man eine ganz persönliche Beziehung hat. Es tut gut, hier zu sein: Das Rheinland ist und bleibt mir eine Heimat.

Single-Pfarrer in TV-Formaten sind begehrt. Schon bei den „Dornenvögeln“ war Ralph de Bricassart der heimliche Schwarm vieler Frauen. Wie erklären Sie sich das?

Vielleicht liegt es ja daran, dass nicht nur wir Männer – wie uns ja häufig nachgesagt wird – Jäger und Sammler sind (lacht). Es hat sicher mit dem Reiz des Unerreichbaren und der Idee einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte zu tun. Und ganz ehrlich: Richard Chamberlain sah ja auch recht gut aus.

Sie gelten als Frauenschwarm. Wie ist es für Ihre Frau, einen Mann mit vielen weiblichen Fans zu haben?

Meine Frau ist die coolste Braut von hier bis Feuerland und würde mir auf der Stelle zu diesem Titel gratulieren. Aber „Frauenschwarm“ hört sich schon witzig an. Das impliziert einen Schwarm dahinschmelzender Frauen in meiner Nähe, wo ich auch gehe und stehe. Und das wäre mir aufgefallen. (lacht)

Wie familienfreundlich ist Ihr Beruf? Für die Dreharbeiten zu „Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen“ waren Sie viel von Zuhause weg. Wie erleben Sie die Trennung von der Familie über Phasen?

Es ist nicht immer leicht, wenn man aufgrund von Dreharbeiten so viel unterwegs ist. Zum Glück ist die Technik soweit fortgeschritten, dass man sich via Videotelefonie etc. hin und wieder mal in die Augen schauen kann. Wir telefonieren jeden Tag mehrmals, und trotzdem bleibt das alles ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber wenn ich dann Zuhause bin, nehme ich mir eben besonders viel Zeit für die Familie.

Welche Gemeinsamkeiten, welche Unterschiede gibt es zwischen der Figur Andreas Tabarius und Ihren persönlich?

Andreas ist durch und durch Familienmensch. Er ist ein Kämpfer, mit großem Gerechtigkeitsempfinden, dem eingefahrene, engstirnige Strukturen zuwider sind. Auch ein Genießer, der das Leben nimmt wie es kommt – und das mit Humor. Da gibt es schon die ein oder andere Gemeinsamkeit … Im Allgemeinen fällt es mir nie wirklich schwer, Schnittmengen mit den Figuren, die ich darstelle, zu finden. Das Interessante ist ja, dass es weniger trennende Elemente zwischen uns Menschen gibt, als wir oft meinen.

Was reizt Sie eigentlich mehr: den Pfarrer oder den Bond-Bösewicht zu spielen?

Generell ganz klar der Bösewicht. Auf Dauer ist es anstrengend, den ewigen Gutmenschen zu geben. Die Rolle des Andreas Tabarius ist deshalb reizvoll, gerade in der zweiten Staffel, weil er häufiger durch seinen hohen Anspruch an sich selbst scheitert. Figuren ohne Risse und Brüche langweilen mich.

Gibt es jetzt beim Dreh der zweiten Staffel schon so etwas wie eine Filmfamilie, oder anders gesagt eine besondere Verbindung mit den Filmsöhnen?

Diese Verbindung gab es schon nach einigen Drehtagen der ersten Staffel, und sie hat sich gefestigt. Wir haben viel Spaß miteinander – auch außerhalb des Sets, wo mich die Jungs weiterhin scherzhaft „Daddy“ nennen. Vielleicht ist auch das eines der Geheimnisse des Erfolgs unserer Serie. Wir sind ein phantastischer Cast und haben das Glück, von einem großartigen Team getragen zu werden.

Eine Frau zu finden, die sich auf einen Vater mit vier Söhnen einlässt, ist ja für Ihre Figur eine ganz schön schwierige Aufgabe. Könnten Sie sich umgekehrt vorstellen, eine Frau mit vier Töchtern zu heiraten?

Meine Frau hat mir ja auch eine Tochter geschenkt, die ich nicht selbstgebastelt habe. (lacht). Mia war damals knapp fünf Jahre alt, als Anne und ich uns kennenlernten. Ich glaube, dass mich auch vier Töchter nicht abgeschreckt hätten. Viel eher stellt sich doch die Frage, ob in einer solchen Situation die vier Töchter mitspielen. Damit steht und fällt alles. Bei uns hat zum Glück die Chemie gestimmt.

© ZDF Presse

Gepostet von soaplexikon

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